
Dressierte Tiere im Zirkus gelten noch immer als " Attraktion ". Die kurzen Auftritte in der Manege, von Musik und Applaus umrauscht, vermitteln dem Publikum, besonders den Kindern, die Illusion, dass es diesen Tieren gut geht. In Wahrheit sind Zirkustiere zu einem erbärmlichen Leben verurteilt. Wir setzen uns ein!
Viele Menschen haben längst erkannt, dass Tiernummern im Zirkus nicht mehr dem heutigen Verständnis von Tieren entsprechen. In manchen Ländern ( etwa in den skandinavischen ) sind fast alle Wildtiere im Zirkus schon lange verboten. In Österreich haben die Bundesländer eine entsprechende Vereinbarung beschlossen. Viele Städte und Gemeinden ( z. B. in Kanada , Italien , USA ) verweigern solchen Unternehmen den Auftritt auf öffentlichem Grund. Verhaltensforscher und Zoologen bemühen sich aus Fachkenntnis zunehmend darum, die üble Tradition der Zurschaustellung " wilder Tiere " zu Unterhaltungszwecken abzuschaffen.
In Deutschland gibt es über 250 ( ! ) reisende Zirkusunternehmen, wobei noch Gastspiele ausländischer Unternehmen hinzukommen. Ein Gesetz, das die Haltung und Dressur von Zirkustieren regelt, gibt es nicht - in einem Land, in dem sonst bekanntermassen alles und jedes geregelt wird.
Das grobmaschige Tierschutzgesetz beschäftigt sich nicht speziell mit Exoten. Die Anregungen in den so genannten " Leitlinien " für Zirkusbetriebe, die im Auftrag des Bundeslandwirtschaftsministeriums erstmals 1990 aufgestellt und zehn Jahre später ein wenig überarbeitet wurden, enthalten nur minimale Anforderungen, die obendrein von Ausnahmen durchlöchert sind und denen überhaupt keine rechtliche Verbindlichkeit zukommt . Ähnliche Leitlinien ohne Gesetzeskraft gibt es für Reptilien, Pferde und Säugetiere allgemein. Veterinärbehörden schauen - wenn überhaupt - nur oberflächlich nach, ob allzu krasse Abweichungen vom " Üblichen " vorliegen, etwa ansteckende Krankheiten oder auffälliger Schmutz. Sie verfügen in der Regel auch nicht über Experten für Wildtiere. Gewöhnlich sind sie froh, wenn der Zirkus nach einigen Tagen aus ihrem Zuständigkeitsbereich mit unbekanntem Ziel verschwindet. Staatsanwälte stellen Anzeigen meist wegen Geringfügigkeit ein. Die Beschlagnahme selbst extrem schlecht gehaltener Tiere scheitert meist schon daran, dass es keine geeigneten Auffangstationen gibt. Allenfalls müssen die Zirkusleute mit ein paar Auflagen rechnen, nach denen am nächsten Spielort niemand mehr fragt.
Wie leben Tiere im Zirkus ?
Die Tradition und die positive Besetzung des Zirkuserlebnisses erlauben es, noch die auffälligsten Missstände zu übersehen. Wo etwa wäre der Grundsatz des Tierschutzgesetzes erfüllt, Tiere artgerecht zu halten und verhaltensgerecht unterzubringen? Wie kann etwa die - lebenslange ( ! ) Unterbringung eines Nilpferds in einem Wasserbecken, in dem es gerade mal Platz hat, diesem Grundsatz entsprechen? Kann es der Natur eines Panthers gemäss sein, sein Leben in einem Käfig zu verbringen, der nur zwei, drei Schritte Bewegung erlaubt?
Wer seine eigene Vernunft sprechen lässt, muss eigentlich sofort erkennen, dass es völlig unmöglich ist, Tiere im Zirkus artgerecht zu halten. Alle Wildtiere sind evolutionär auf sehr viel Raum angewiesen, meist auf viele Quadratkilometer. Sie müssen laufen, springen oder klettern, schwimmen oder fliegen. Diese Bedürfnisse werden lebenslänglich nicht erfüllt. Man muss kein Zoologe sein, um zu begreifen, dass allein diese permanente Entbehrung eine permanente Qual darstellt. Die verschiedenen Tierarten haben darüber hinaus viele weitere angeborene Anlagen. Elefanten etwa leben natürlicherweise in Familienverbänden mit ausgeprägten Bindungen zwischen Eltern, Kindern und Verwandten, in einer sinnvollen Ordnung.
Löwenmütter hat wohl schon jeder Fernsehzuschauer beim zärtichen Umgang mit ihren Kindern beobachtet, Giraffen und Zebras sieht man in grossen Herden über die Steppe ziehen. Flusspferde drängen sich dicht an dicht in Gewässern. Andere, wie etwa Stachelschweine, sind Nachttiere, denen das Tageslicht weh tut, Bären brauchen Höhlen , Badestellen Winterschlaf. Von Affen weiss jeder Mensch wie bewegungsfeudig und unternehmungslustig sie sind und was für Interessante, komplizierte Beziehungen sie untereinander pflegen. Was Affen wie der im Zirkus besonders beliebte Schimpanse, dessen genetische Anlagen zu 98,4 Prozent mit denen des Menschen identisch sind, in lebenslanger Gefangenschaft erdulden müssen, kann man sich auch mit wenig Phantasie vorstellen. Schliesslich ist dies die höchste Strafe, die unsere Gesellschaft für schwere Verbrechen vorsieht. Welche Verbrechen hat der Schimpanse begangen?
Zahllose Verhaltensmuster, die den " wilden Tieren " von der Natur mitgegeben sind und die für sie eine innere Notwendigkeit darstellen, können auch im besten Zirkus niemals ausgelebt werden. Dafür fehlt schon ganz einfach der Raum und die artgemässe Umgebung. Angeborenes soziales Verhalten kann nie ausgelebt werden, da die Tiere nur Schauzwecken dienen und daher meist einzeln leben müssen, ohne die vielfältigen Kontakte zu Artgenossen.
Die pädagogische Gefahr - das Zerrbild vom " wilden Tier "
Schon sehr kleinen Kindern wird durch den Zirkus ein falsches Bild vom Wesen der Tiere vermittelt. Die Illusion ist perfekt, da die erzwungenen Leistungen auch noch Bewunderung erzeugen. Das betäubt die Frage danach, wie die tierlichen Artisten wirklich sind und wie ihnen zumute sein mag. Niemand scheint sich zu fragen, wo und wie sie ihr Leben ausserhalb der Manege verbringen. Selbst wenn die engen Käfige hinter den Kulissen sichtbar werden, realisiert kaum jemand, dass sie der lebenslängliche "Wohnraum" von Arbeitssklaven sind. Das Käfige, Gitter, Peitschen und "wilde Tiere" zusammengehören, prägt sich als Selbstverständlichkeit ein.
Der Zirkus feiert die Herrscharft des Menschen über die Tierwelt. Er führt auf spielerische Weise vor, dass uns das " Recht " zustehe, über alle Geschöpfe dieser Erde nach Belieben zu verfügen. Wenn wir uns von Kindheit an daran gewöhnen, es für " normal " zu halten, dass Wildtiere nach unserer Peitsche zu tanzen haben, erlernen wir nicht den Respekt vor der Würde und dem Eigenleben anderer Wesen.
Fazit
Wildtiere gehören nicht in den Zirkus. Es gibt keine Möglichkeit, sie dort artgerecht zu halten. Sie müssen ihr Leben in kleinen Käfigen verbringen, haben kaum Bewegung, keinen natürlichen Kontakt zu Artgenossen, keine fachgemässe Betreuung. Sie sind einem fremden Klima und dem Stress häufiger Transporte ausgesetzt. Zirkustiere sind Zwangsarbeiter. Die kurzen Auftritte, die nur durch harten Drill möglich gemacht werden, täuschen das Publikum über ihr unglückliches Dasein hinter dem Manegenglanz hinweg. Kindern wird ein falsches Bild vom wirklichen Wesen ihrer " Lieblinge " vermittelt, eine Karikatur. Der moderne Zirkus - und davon gibt es immer mehr - kommt ohne die Versklavung " wilder Tiere " aus und bietet mit den Leistungen freiwilliger menschlicher Artisten ein Vergnügen, das nicht mit Tierleid erkauft wird.
Das können Sie tun: Benutzen Sie keinen Zirkus, der Tiernummern im Programm hat! Erklären Sie ihren Kindern und deren Freunden warum der Zirkus kein Vergnügen für die Tiere ist. Sprechen Sie auch mit anderen Eltern darüber. Unterstützen Sie die Zirkusunternehmen, die ohne Tiere arbeiten durch ihren Besuch. Damit helfen Sie auch ihren Kindern eine moderne Vorstellung vom Zirkus zu bekommen. Schreiben Sie an Zirkusunternehmen, die in Ihrer Region mit Tiernummern werben und erklären Sie ihnen, warum sie solche Vorstellungen für nicht mehr zeitgemäss halten. Fordern Sie ihre /n Bürgermeister / in auf, keine Gemeindegrundstücke für Zirkusbetriebe mit Tiernummern zur Verfügung zu stellen. Wenden Sie sich auch an das Veterinäramt und die Umweltschutzbehörde. Schreiben Sie Leserbriefe an die lokalen Zeitungen. Handeln Sie - auch durch uns. Wir machen das für Sie.
(Quelle: Menschen für Tierrechte - Bundesverband der Tierversuchsgegner e.V.)
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