
Tag für Tag leiden tausende Tiere in den Labors der chemischen und pharmazeutischen Industrie, der Hochschulen und anderer Forschungsinstitute - angeblich zu unserem Wohle. Doch Experimente an leidensfähigen Lebewesen sind ungeeignet, um Krankheiten des Menschen zu erforschen und zu heilen.
Wie viele und welche Tiere werden für Experimente verwendet ?
Mit Abstand am häufigsten werden Mäuse und Ratten zu Forschungszwecken getötet. Laut offiziellen Angaben machen sie zusammen 76 Prozent aus. Aber auch Kaninchen, Meerschweinchen, Hamster, Hühner, Fische, Frösche, Schweine, Rinder, Schafe, Hunde, Katzen und Affen dienen als Wegwerf - Messinstrumente.
Bis 1997 war die Anzahl der jährlich für Versuchszwecke getöteten Wirbeltiere rückläufig. Seit im Jahr 1989 mit der Datenerhebung begonnen wurde, ging die Zahl der Tiere von 2,6 Mio. auf etwa 1, 5 Millionen zurück. Zuletzt stagnierte der Rückgang jedoch und in den Jahren 1998 und 1999 stieg die Zahl der Versuchstiere sogar wieder auf 1' 591' 394 Tiere an.
Die Statistik berücksichtigt jedoch nicht alle verbrauchten Versuchstiere . Nicht erfasst waren bisher Tiere, die bei der Impfstoffherstellung und zur Ausbildung von Studierenden verwendet oder zur Entnahme von Organen getötet wurden. Künftig sollen diese Tiere ebenfalls erfasst werden. Doch auch dann kann über die tatsächliche Zahl nur spekuliert werden. Denn bereits bei der Zucht und " Vorratshaltung " werden viele Tiere als sogenannter Überschuss getötet oder sie sterben schon vor dem Versuch bei Haltung und Transport. Nicht gezählt werden auch in Zukunft wirbellose Tiere wie Schnecken, Insekten und Krebse.
Der amerikanische Konzern Covance ist eine der
führenden Firmen im Bereich der Auftragsforschung und unterhält
im Süden von Münster eines der größten privaten
Tierversuchslabore in Deutschland. Das Münsteraner Labor ist
auf Versuche an Primaten spezialisiert. Nach eigenen Angaben sterben
jedes Jahr mehr als 1000 Affen alleine in der deutschen Niederlassung.
Die meisten Affen werden bei Covance während
der ganzen Zeit eines Experiments, also von einigen Monaten bis
zu drei Jahren, einzeln in kleinen, völlig strukturlosen Metallgitterkäfigen
gehalten. Schon allein die Einzelhaft ist für die sozialen
Tiere eine Tortur. Selbst trächtige Äffinnen werden unter
solch entsetzlichen Bedingungen gehalten und so gezwungen, auf dem
nackten Metallkäfigboden ihre Jungen zur Welt zu bringen. Der
Möglichkeiten beraubt, ihre natürlichen Verhaltensweisen
auszuleben, zeigen die Affen die typischen Symptome schwerer Verhaltensstörungen:
stereotype Bewegungen wie Hin- und Herschaukeln und Im-Kreis-Drehen.
Bei Covance müssen die Affen nicht nur unter
tierquälerischen Bedingungen leben, sie werden zudem täglich
schmerzhaften Routine-Eingriffen, wie Zwangsfütterung und Blutentnahmen
ausgesetzt. Und als wäre dies nicht schon schlimm genug, werden
die Primaten dabei auch noch vom Personal roh misshandelt. Die Undercover-Aufnahmen
zeigen, wie Mitarbeiter fluchen und schreien, die verängstigten
Tiere brutal aus den Käfigen zerren, sie schütteln und
bedrohen und sie sogar zwingen zu Radiomusik zu "tanzen".
Nach Operationen erhalten die Tiere keinerlei Nachversorgung, sondern
werden zum Aufwachen einfach auf die kalten Metallgitter ihrer Gefängnisse
gelegt.
Warum werden Tierversuche durchgeführt ?
Die Konsumenten sollen sich bei der Anwendung neuer chemischer und pharmazeutischer Produkte sicher fühlen. Eine Alibi-Funktion der Tierversuche: Sie suggerieren eine Unbedenklichkeit von Produkten, die in Wahrheit nicht gegeben ist. Von A wie Abwasserabgabegesetz bis W wie Wasch- und Reinigungsmittelgesetz schreiben rund 20 deutsche Gesetze und Verordnungen sowie etwa 20 EU-Richtlinien Tierversuche vor. Tierversuche sollen das Risiko des Arzneimittelproduzenten absichern.
So muss er bei unerwünschten Nebenwirkungen nicht haften, wenn er entsprechende Studien vorweisen kann. Um akademische Titel zu erlangen, sind Tierversuche gang und gäbe. Viele Experimente werden auch aus wissenschaftlicher Neugier, Forscherdrang oder Profilierungssucht gemacht. Der Zwang, für Ruhm und Ehre möglichst viele Publikationen zu schreiben, treibt so manchen Forscher zu immer abwegigeren Versuchsanordnungen. Gewohnheit und Routine sind ebenfalls Gründe dafür, den Irrweg Tierversuch weiter zu gehen. Eine ganze Industrie lebt und profitiert heute von Tierversuchen. Züchter, Händler, Futterlieferanten, Produzenten von Käfigen und Zubehör, Wissenschaftler, Institute usw. - für sie alle verwandelt sich das Leiden und Sterben der Tiere in klingende Münze.
Welche rechtliche Basis haben Tierversuche ?
Laut Paragraph 1 des Tierschutzgesetzes sind Tiere " Mitgeschöpfe ". Es ist verboten, ihnen ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zuzufügen. Doch wenige Paragraphen danach werden diese hehren Worte ad absurdum geführt. Als " vernünftiger Grund " gilt nämlich schlechthin alles, was den Menschen irgendeinen Nutzen verspricht. So dürfen laut Paragraph 7 Tieren Schmerzen, Leiden und Schäden zugefügt werden, um Krankheiten zu erkennen oder zu behandeln, um Umweltgefährdungen festzustellen, um Stoffe oder Produkte auf ihre Unbedenklichkeit zu prüfen sowie in der Grundlagenforschung. Ergo: Praktisch alle denkbaren Tierversuche sind erlaubt. Selbst die wenigen Einschränkungen, die das Tierschutzgesetz im Hinblick auf Tierversuche enthält ( z. B. ethische Vertretbarkeit ), können nicht realisiert werden.
Werden sie doch letzlich ausgehebelt durch die im Grundgesetz verankerte Freiheit von Forschung und Lehre. Die Verankerung des Tierschutzes im Grundgesetz war deshalb unbedingt notwendig, um wenigstens die Abwägung zwischen Forschungs- und Lehrfreiheit auf der einen und Tierschutz auf der anderen Seite zu ermöglichen. Tierschutz steht zwar seit dem 1. August 2002 im Grundgesetz, aber jetzt bedarf dieses Staatsziel auf vielen Ebenen erst der konkreten Ausgestaltung.
(Quelle: Menschen für Tierrechte - Bundesverband der Tierversuchsgegner e.V.)
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